Erinnerung an Philipp Wahl

Philipp Wahl
Bündnis gegen Naziaufmärsche erinnert an Philipp Wahl
Veranstaltung am 31. Januar 2010 in der Gedenkstätte Osthofen
Der Antifaschist und Kommunist Philipp Wahl starb am 23. Juli 2009, er wäre am 15. Januar 2010 97 Jahre alt geworden. Mit einer politischen Veranstaltung am 31. Januar 2010 in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Osthofen erinnert das Bündnis gegen Naziaufmärsche an ihn. Philipp Wahl war Ehrenmitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und aktives Mitglied im Wormser Bündnis.
Als konsequenter Demokrat engagierte er sich gegen Faschismus und Nationalismus. Geprägt durch sein Elternhaus, schloss er sich früh der sozialistischen Arbeiterbewegung an. Über die der SPD nahe stehende Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) gelangte er zum Kommunistischen Jugendverband. Seine Erfahrungen und seine Begeisterung für Geschichte und Philosophie prägten sein kritisches Bewusstsein. Die Konsequenz daraus war für ihn, aktiven Widerstand gegen das Naziregime zu leisten sowie noch vor 1933 in die KPD und nach deren erneutem Verbot 1956 in die 1968 neu konstituierte DKP einzutreten.
Im März 1933 wurde der Rheinschiffmatrose Philipp Wahl in Worms verhaftet, im Verhör durch die Gestapo brutal misshandelt und anschließend ins KZ Osthofen verschleppt. Seine unermüdliche aufklärerische Tätigkeit in der „Lagergemeinschaft der ehemaligen Häftlinge des KZ Osthofen“, der VVN-BdA Rheinland-Pfalz und im Deutschen Gewerkschaftsbund haben mit dazu beigetragen, dass es heute eine Gedenkstätte in Osthofen gibt. Als Vorstandsmitglied des Fördervereins Projekt Osthofen war er an deren Konzeption beteiligt.
Der Zeitzeuge und Antifaschist Philipp Wahl zog für sich Lehren aus Faschismus und Krieg und gab sie in Vorträgen an einige tausend alte und junge Menschen in der Gedenkstätte Osthofen und in Schulen weiter. Er organisierte und pflegte Verbindungen zum Institut für Widerstand und Zeitgeschichte in Parma, wurde häufig zu Vorträgen dorthin eingeladen und klärte über Ursachen und Barbarei des Faschismus auf. Dabei standen seine eigenen Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur immer im Mittelpunkt, aber auch seine Botschaft: Es gab auch das andere Deutschland, in dem Christen, Juden, Liberale, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten unter sehr großen Opfern gemeinsam Widerstandsaktionen organisierten.
Die Veranstaltung am 31. Januar 2010 um 14 Uhr in der Gedenkstätte Osthofen erinnert sowohl an den Wormser Antifaschisten, Träger der Verdienstmedaille der Stadt Worms und des Bundesverdienstkreuzes als auch an die Machtübertragung an die Nazis am 30. Januar 1933, die Philipp Wahl als 20-Jähriger erlebte.
Veranstalter: Bündnis gegen Naziaufmärsche Worms
Verantwortlich: Silvia Schall und Werner Schlösser
Mittlerweile steht ein Programm fest:
- Nachgeforscht: Philipp Wahl – filmische Szenen von Abu Sehmuz Demir
- Reiner Schalk, VVN-BdA Kreisverband Worms: „Philipp Wahl – ein Leben für den organisierten politischen Antifaschismus“
- Horst Gobrecht, DKP Worms: „Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft“. Orientierungssuche - Philipp Wahl und seine Generation in den Kämpfen vor 1933
- Moderation: Silvia Schall, Bündnis gegen Naziaufmärsche Worms




