Neonazis missbrauchen Leid und Empörung nach Sexualverbrechen an einem siebenjährigen Mädchen
Ende Juli gingen in der rheinhessischen Gemeinde Nieder-Olm zweimal über 300 Menschen auf die Straße, um gegen Aktionen von Neonazis zu protestieren. Sie empörten sich darüber, dass Faschisten ein Sexualverbrechen in ihrem Ort für menschenfeindliche Propaganda ausnutzen wollten. Dennoch konnten cirka 50 Anhänger der NPD Wiesbaden und einer “Initiative Südwest” beim zweiten Versuch unter massivem Polizeischutz durch die Stadt marschieren. In Nieder-Olm hatte ein kurz darauf verhafteter und geständiger Mann eine 7-Jährige nachts aus ihrem Elternhaus entführt und vergewaltigt. Die verständliche Empörung in der 9 000-Einwohner-Stadt im Großraum Mainz wollte eine faschistische “Initiative Südwest” am 22. Juli für ihre Propaganda ausnutzen und eine Mahnwache unter der Losung “Keine Gnade für Kinderschänder” durchführen. Die wurde von der Verbandsgemeindeverwaltung wegen formaler Fehler verboten. Weiter lesen 'Nieder-Olm wehrt sich'»
Einer der wenigen noch lebenden ehemaligen Häftlinge des KZ Osthofen bei Worms, Philipp Wahl, starb heute im Alter von 96 Jahren. Er war bereits vor 1933 politisch im Kommunistischen Jugendverband KJVD aktiv, organisierte als Rheinschiffer in der Nazizeit illegale Materialtransporte aus den Niederlanden rheinaufwärts. Nach der Zerschlagung des Faschismus wurde er Mitbegründer der Gewerkschaft Bau-Steine-Erden (heute BAU) in Worms, engagierte sich in KPD und DKP, in der Lagergemeinschaft Osthofen und selbstverständlich in der VVN-BdA, deren Vorsitzender er einige Jahre war. Vielen jungen Menschen hat er in der heutigen Gedenkstätte wie im Schulunterricht seine Erlebnisse während der KZ-Haft und im Faschismus nahe gebracht. Seine unaufdringliche, nicht belehrende Art kam an und überzeugte.
Ehren wir ihn und gedenken seiner durch konsequentes Handeln gegen Nazis und für demokratische wie soziale Rechte.
Horst Gobrecht
Kurzbiografie von Philipp
Keine Nazis in den Stadtrat
Für den 30. Mai war vom 14.00 bis 17.00 Uhr eine NPD-Kundgebung vor der Porta Nigra geplant. Die Veranstaltung wurde von der NPD Kreis Trier nicht großartig beworben, sondern nur über die Homepage des Landesverbandes und das übliche Infotelefon angekündigt. Dass sich gegen diese Kundgebung Widerstand formierte war klar. Denn neben dem Spitzenkandidaten der NPD Trier zu den Stadtratswahlen, Safet Babic, sollten auch Udo Voigt, Bundesvorsitzender der NPD und Matthias Faust, Bundesvorsitzender der DVU sprechen. Zunächst ließ die Stadt noch verlautbaren, dass die Nazis einen anderen in den Randbezirken der Stadt Trier befindlichen Platz zugewiesen bekommen würden. Am Freitag kam es dann doch heraus, dass den Nazis an dem attraktiven Standort Porta Nigra auftreten dürfen. Dieses Vorgehen der Stadt stieß selbst beim Trierischen Volksfreund auf Unverständnis. Weiter lesen 'Trier wehrt sich'»
Erklärung von antifaschistischen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern aus der Rhein-Main-Region zur Kundgebung “Kein Naziaufmarsch in Mainz – Wir stellen uns quer!” am 1. Mai 2009
1933 wäre verhindert worden, wenn alle Hitlergegner die Einheitsfront geschaffen hätten. Dass sie nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle künftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.
Peter Gingold
aus “Paris – Boulevard St. Martin No. 11. Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik”, PapyRossa Verlag, Köln, 2009 Weiter lesen 'Einheit gegen die Faschisten'»